mit den Gemeinden Sterzing, Pfitsch, Freienfeld, Ratschings, Gossensaß/Brenner


Stadt Sterzing
Ein kurzer geschichtlicher Rückblick auf die Fuggerstadt

Drei der acht Städte Südtirols finden sich im Eisacktal zwischen dem Brenner und der ehemaligen Klause bei Kollmann: Sterzing, Brixen und Klausen.

Sterzing liegt im Einzugsgebiet mehrerer Täler, unter dem "Zoll" und ober dem Moos, um das sich schaurige Sagen ranken. Auf einem kleinen Plateau ein paar Meter über der Talsohle sonnen sich Untertelfes (Pfarrkirche St. Nikolaus), Obertelfes (Pfarrkirche St. Veit) und Thuins mit der Jakobskirche, von wo aus das Fuggerstädtchen, wie Sterzing auch genannt wird, am besten zu sehen ist. Früher war es die Altstadt, der Stadtteil nördlich des bekannten Zwölferturms, wo das Geschäftsleben florierte; heute hat die Neustadt den nördlichen Konkurrenten längst überholt. In einem Bau mit prächtigen viereckigen Erkern an der Straßenfront, stimmungsvollem Lichthof mit umlaufender Galerie und gotischem, mit eindrucksvoller Balkendecke ausgestattem Theatersaal aus dem 14./15. Jahrhundert ist die kommunale Verwaltung untergebracht. Die beiden durch den im 15. Jahrhundert errichteten Stadtturm getrennten Gassen machen eigentlich schon das ganze Leben der Stadt aus. In der Zeit um 1500 kam es in dieser Gegend in regelmäßigen Zeitabständen zu einer Reihe von Veranstaltungen derbfröhlicher Fasnachtsspiele. Sterzing blickt demnach auf eine lange Theatertradition zurück. Die Stadt war eine beliebte Aufführungsstätte auch geistlicher Darbietungen; insbesondere die Pfarrkirche etwas außerhalb der Stadt diente in der Karwoche als Schauplatz der Leidensgeschichte Jesu: Der Ort des Gebetes wurde zur weltbewegenden Bühne.

Neben der Passion gelangen in Sterzing auch Legendendramen und deutsche Singspiele zur Aufführung; die Stadt lud zu "Spielfesten", die die Bewohner wochenlang in Atem hielten. Auf dem Gebiet des profanen Theaters ging Vigil Raber, der Kunstmaler, Bearbeiter und Schauspieler, Spielleiter und Bühnenausstatter, in die Geschichte ein. Gleichzeitig wirkte er auch bei geistlichen Aufführungen mit; er sammelte über 30 Texte, die teilweise bis heute erhalten geblieben sind. Damit wurde er zum ersten "Theaterverleger" der Stadt. Das Tiroler Fasnachtsspiel ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Von Rabers Geburt und Jugendzeit weiß man nur wenig, der Vater übte den Beruf eines Bäckers aus und besaß in der Neustadt ein schmales Wohnhaus. Vigil wurde um 1480 geboren. Er verzichtete auf die Übernahme des väterlichen Betriebes und wandte sich der Malerei zu. Schon in jungen Jahren betätigte er sich auf dem Gebiet des Volksschauspieles und übernahm 1514 die Aufgaben des verstorbenen Lateinschulmeisters und Organisten Benedikt Debs bei den Bozner Passionsspielen.

Sterzing, 1180 als "Sterzengum" urkundlich erwähnt, stieg neben Brixen, Innsbruck, Hall, Meran, Bozen und Klausen schnell zu einer schöpferischen Kunstmetropole im Land Tirol auf, was in erster Linie der günstigen Lage der Stadt an der Fernstraße zwischen Verona, Innsbruck, München und Augsburg zu verdanken war. Die kulturelle Blütezeit ging mit dem durch den Silberbergbau bewirkten wirtschaftlichen Aufschwung Hand in Hand. Der materielle Wohlstand drückte sich in einer bis dahin nicht gekannten Baufreude aus - wie etwa im Bau der Pfarrkirche oder des Zwölferturms mit der neuen, eleganten Fassade aus Sterzinger Marmor oder der prunkvollen Bürgerhäuser mit hohen Fronten, verschieden geformten Giebeln und Erkern, reich behandelten Portalen und malerischen Lichthöfen; Wohlstand verraten in der Neustadt als dem nunmehr wichtigsten Stadtteil auch die Laubengänge, damals eine wertvolle Einrichtung für die Kaufleute, weil sie von nun an auch an Regentagen ihre Waren feilbieten konnten; vom einstigen Reichtum künden außerdem die vielen Gasthäuser mit prunkvollen Schildern und wohlklingenden Namen, aber auch der heute als Bergwerksmuseum dienende Ansitz Jöchlsthurn oder der Herrensitz Wildenburg, der außerhalb der alten Stadtmauer liegt.

Dem Kunstinteressierten ruft Sterzing unweigerlich den Namen Hans Multscher und den nach ihn benannten Altar in Erinnerung. Der Bildhauer und Maler wurde um 1400 im allgäuischen Reichhofen geboren. Im Land der Schwaben werden dem 1467 verstorbenen anerkannten Meister mehrere bedeutende Werke zugeschrieben. Elf Jahre vor seinem Tod erhielt Multscher von der Sterzinger Bürgerschaft den Auftrag, einen Altar für die außerhalb der Stadt stehende Pfarrkirche zu schaffen. Die Sterzinger boten alles auf, was sie entbehren konnten. So geht die Rede, daß sich auch Schmuck, Gold und wertvolle Kleider zur Förderung des Werkes beisteuerten. Meister Multscher kam mit seinen Gesellen, mit Malern, Tischlern, Schnitzer und Fassern, nach Südtirol. Zwölf Meter Höhe maß der neue Altar, der im Chor der Pfarrkirche aufgestellt wurde. Besonders stachen die Büsten Christi und der zwölf Apostel hervor sowie das Hauptstück des Werkes, der Schrein mit Maria und den Heiligen Barbara, Ursula, Katharina und Apollonia. Vier - heute im Multschermuseum ausgestellte - engelfiguren hielten den Vorhang. Der Altar war noch von mehreren Heiligen geziert, darüber Baldachine mit Maria und Johannes. 1753 erhielt die Pfarrkirche jedoch ein barockes Kleid mit einem entsprechenden Altar. Multschers Werk, Ausdruck höchster gotischer Kunst, mußte dem Zeitgeist weichen. Erst um 1900 erinnerten sich die Sterzinger seines Wertes, es wurde restauriert und im Sterzinger Rathaussaal aufgestellt. Allerdings waren inzwischen mehrere Teile verschollen oder in Privatbesitz gelangt. Heute geben die Schauobjekte im Multschermuseum, das im ehemaligen Deutschordenshaus untergebracht ist, einen Eindruck von der Pracht dieses Meisterwerkes.

Neues Brauchtum hat sich durchsetzt und das alte verdrängt, von dem einstigen kulturellen Höhenflug ist nur wenig geblieben. Wohl wird noch immer jährlich zumindest ein theaterstück aufgeführt, mehr Bedeutung kommt aber einzelnen Bräuchen zu - wie etwa dem Nikolausumzug. Am Abend des 5. Dezember zieht der Heilige in Sterzing ein. Es ist längst Brauch geworden, daß der Nikolaus mit zwei Engeln, gefolgt von einer Stattlichen Anzahl von "Tuifln", den Umzug anführt. Nach den Segnungen des Heiligen und nach seinem feierlichen Abzug erobert die wilde Horde der Krampusse die Stadt. Man fragt sich, wie der heilige Nikolaus in so schlechte Gesellschaft geraten konnte: Um die letzte Jahrtausendwende war der "Höllische" in der Tiroler Volkskultur heimisch geworden - alte heidnische Überlieferungen vermischten sich mit christlichen Inhalten . Früher hatte man um diese Jahreszeit die bösen Wintergeister beschworen. Sie sollten besiegt werden und das Gute die Kälte und Dunkelheit überwinden. Daß die Liebe stets über das Böse siegt, demonstriert der hl. Nikolaus während seines Umzuges: Er ist es, der gebietet und dessen Autorität nicht angezweifelt wird; aber kaum ist er weitergezogen ...

Sterzing, schon in prähistorischer Zeit Siedlungsgebiet und in der Römerzeit als "Vipitenum" eine bedeutende Straßenstation, ist eine kleine Stadt, die erst im späten 13. Jahrhundert das Stadtrecht erhielt. 1443 fiel ein Großteil der Bausubstanz einer Brandkatastrophe zum Opfer. Zwischen 1460 und 1520 erfolgte der Wiederaufbau.

Sterzing ist auch eine Stadt der Kirchen. Neben der bereits erwähnten spätgotischen, im Inneren barockisierten und mit Fresken von J. A. Monk geschmückten Pfarrkirche sind zu erwähnen: die von Matthäus Günther mit luftigen Fresken und von Anton Gigl mit bewegten Stukkaturen ausgestattete Elisabethkapelle im Deutschordenshaus, die gotische Spitalkirche zum Hl. Geist, deren Wände aus ausgezeichneten Gemälden des Meisters Hans von Bruneck (um 1420) geschmückt sind, St. Margareth, die schlichte Kapuzinerkirche St. Magdalena, das Kreuzkirchl St. Salvator, das Kirchlein St. Peter und Paul im Jöchlsthurn und der heute profanierte Bau der gotischen Johanneskirche in der Vorstadt.

[STADT STERZING]


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